2026-05-23 –, Zeitkapsel
20 Jahre Kontakt. 6 Stunden radikale Ehrlichkeit. 1 kollektives Sozialexperiment.
Der Journalist und Unlearning-Forscher Selmar Schülein stellt dem kontakt eine soziale Röntgenmaschine mitten ins Festival-Herz – in seine Gemeinschaft aus uns allen. Denn selbst im progressivsten Space lauern blinde Flecken. Zeit, sie grell auszuleuchten!
Der „Demarginalisator 3001“ ist ein Ort des gemeinsamen Verlernens. Hier wird versammelt, was sonst ungehört bleibt: die Risse und unschönen Ecken in unserer feuchtfröhlichen Bubble. Oder auch manch rührend heilsame Momente?
Mitten auf dem Gelände entsteht dafür ein abgedunkelter Raum für die Sichtbarmachung des Unsichtbaren – ein Schutzraum für jeweils anonym bleibende Festival-Gäste
Hier empfängt der Autor im 25-Minuten-Takt Eure Zeugnisse von Grenzüberschreitung, Ausgrenzung und all die schmerzhaften Erlebnisse, die selbst Eure Besties vielleicht nie zu hören bekämen. Die Verlernmaschine dokumentiert so marginalisierte Positionen, schmerzvolle Festival-Realitäten und unterrepräsentierte Perspektiven und verdichtet sie live zu literarischen Zeitzeugnissen.
Selmar Schülein, der sonst für ZEIT, SZ und taz kulturelle Phänomene seziert, kartiert auf diese Weise, was im großen Festival-Wir oft keinen Platz findet: Ausgrenzung, verletzende Blicke, Situationen, die wehtun – kleine und große Risse, deren Sichtbarmachung uns allen als Katalysator für ein kollektives Verlernen unserer eigenen Wahrnehmungsroutinen dienen kann. Genauso will der „Demarginalisator 3001“ auch das schöne Gegenteil dokumentieren: persönliche Berichte von berührenden Festival-Szenen einer gerechteren Gemeinschaft, in denen Stereotype aufbrachen oder etwas Neues für Euch begann.
Sechs Stunden lang arbeitet der Autor pausenlos an diesem Text, der vorher nicht existiert und nur entstehen kann, weil Menschen den Mut zeigen, ihm etwas Wirkliches anzuvertrauen.
Zuletzt war 2022 mit der Beichtstuhl-Performance etwas Vergleichbares auf dem kontakt zu erleben. Wer den legendären Schreib-Marathon erlebt hat, weiß, welche Wucht und verbindende Kraft aus dieser Mischung aus Anonymität, Risiko, und Dokumentation von radikaler Ehrlichkeit entstehen kann.
Aus dieser weltweit einzigartigen Kunstform entsteht am Ende ein Gemeinschaftsporträt, das live auf der Bühne ausgedruckt und unzensiert präsentiert wird: Als ein Leak, der die Festival-Utopie nicht verrät, sondern ihr konsequenter zuhört, als sie es selbst manchmal kann. Wenn der Drucker die Protokolle des Unsichtbaren ausspuckt, endet eine alte Bequemlichkeit und wir erleben einen radikalen Akt des gemeinsamen Unlearnings.
Werdet Teil dieses Hyper-Empathie-Trips. Besetzt die Verlernmaschine. Erzählt das Unerhörte. Sabotiert das Schweigen, bis die Utopie atmen kann.
Selmar verfasst seine Doktorarbeit zu kollektivem Unlearning in der allgemeinen Erziehungswissenschaft und schreibt als freier Journalist für ZEIT, SZ, taz und fluter.
